Fertigungsverfahren Drehen

Drehen: ein Fertigungsverfahren der Zerspantechnik. Wer aus dieser Branche kommt, weiss worum es geht. Aber die Hintergrundinfos sind sicher nicht alle bekannt…

Beim Drehen wird das Werkstück um seine eigene Achse gedreht, während das entsprechende Werkzeug die Kontur abfährt. Dieses Fertigungsverfahren der Zerspantechnik ist heute – auch bei der Herstellung von Zahnrädern – unverzichtbar. Aber sind auch sicher alle Hintergrundinfos bekannt?

Es begann bereits im Altertum

Erhaltene Werkstücke aus dieser Zeit zeigen, dass bereits während der Bronzezeit gedreht wurde – dies mittels Zugschnurdrehbank. Dabei zog ein Arbeiter mit den Händen abwechselnd die Enden einer Schnur. Das sich dadurch drehende Teil wurde von einer zweiten Person mit Werkzeug bearbeitet. Dies immer auf dem Boden in der Hocke.

Im 13. Jahrhundert vereinfachte sich das Arbeiten durch die Wippendrehbank. Der Vorteil: die Bedienung durch eine einzelne Person. Auch ein wichtiger Meilenstein ist der Einsatz von Kurbeln zum Antrieb der Drehbänke ab dem 15. Jahrhundert. Erstmals drehte sich dadurch das Werkstück kontinuierlich in ein und dieselbe Richtung. Allerdings wurde zum Bedienen der Kurbel wieder ein Gehilfe benötigt.

Drehen – auch bei Künstlern beliebt

Ab dem 16. Jahrhundert florierte das Kunsthandwerk und damit das Kunstdrehen. In Adelskreisen war dies sehr beliebt und sogar Kaiser Maximilian I besass eine besonders reich verzierte Drehbank – selbstverständlich nur zur Dekoration.

Industrieller Einsatz

In den Bereichen Feinmechanik und Uhrmacherei wurden bereits im 17. und 18. Jahrhundert kleine, sehr weit entwickelte Maschinen mit Werkzeughalter eingesetzt. Durch die generelle, industrielle Verwendung dieses Werkzeughalters im Maschinenbau wurde die Arbeit des Drehens wesentlich erleichtert.

Vor allem in Grossbritannien und danach in Deutschland und den USA war der Bedarf an identischen Maschinenteilen zu Beginn der Industrialisierung besonders hoch. Der Mangel an geeignetem Personal und die grosse Bedeutung des Drehens für den Maschinenbau führte 1785 in Grossbritannien sogar zu einem Auswanderungsverbot für Dreher und einem Exportverbot für sämtliche Werkzeugmaschinen.

Weitere wichtige Meilensteine

  • Im frühen 19. Jahrhundert entwarf Henry Maudslay die erste Tischdrehmaschine für die Fertigung von Schrauben. Erstmals waren diese damit gleichmässig und untereinander austauschbar.

  • Auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden Kopierdreh- und Kopierfräsmaschinen, die ein Modell mit einem Taster erfassen und dessen Bewegung an die Antriebe weitergeben konnten.

  • Wenig später – gegen 1870 – wurde in Amerika der Drehautomat entworfen. Dieser übernahm selbständig die Werkzeugbewegung und das Wechseln der Werkzeuge. Die Automaten konnten von einer Fachkraft eingerichtet und danach von einer angelernten Hilfskraft bedient werden.

  • Ab den 1920er Jahren wurden die Antriebe der Maschinen auf Elektromotoren umgestellt und ab den 1980ern setzten sich die CNC-Steuerungen durch. Mit diesen CNC-Drehmaschinen konnten nun sehr komplizierte Formen vollautomatisch hergestellt werden.

Was wird bei der GROB AG gedreht?

Auf elf CNC-Drehmaschinen werden Werkstücke bis zu einem Durchmesser von 1150 mm bearbeitet. Zu unserem Maschinenpark gehören Doppelspindel-Stangenlader, Drehmaschinen mit Roboterbeladung sowie Vertikal-Drehmaschinen. Besonders wichtig bei der Vorbearbeitung von Zahnrädern sind möglichst genaue Plan- und Rundlauftoleranzen, welche die Verzahnungsqualität massgeblich beeinflussen. Unser erfahrenes Team aus dieser Branche weiss, worauf es ankommt.

GROB AG Nebikon, Ursula Hofer